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Was mein Vater mir beigebracht hat...


Geburtstage sind häufig die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, was uns das Leben bisher gelehrt hat. Zehn Jahre nach dem Tod meines Vaters am 1. November 2008 denke ich vor allem an die Jahre meiner Kindheit zurück, in denen ich zum Forscher und Entdecker wurde.

bertrand and jacques piccard

Die meisten Kinder wachsen mit Märchen- und Fantasiegeschichten auf. Ich habe vor allem Geschichten voller Abenteuer und Entdeckungen gehört. Ich war fasziniert von den Erzählungen meines Vaters über die Eroberung der Pole, des Mount Everest, des Weltalls und der Tiefen der Meere. Ich entdeckte, wie mein Großvater Auguste in die Stratosphäre aufstieg. Er war es auch, der die Druckkabine erfand, mit der heute jedes Flugzeug ausgestattet ist, und er war der erste Mensch, der die Krümmung der Erde mit eigenen Augen gesehen hat. Ich entdeckte, wie mein Vater mit dem Bathyscaph getaucht ist und den Marianengraben, den mit elf Kilometern tiefsten Punkt der Weltmeere im Pazifischen Ozean, erforscht hat. An den Film „20 000 Meilen unter dem Meer“ erinnere ich mich, als ob es gestern gewesen wäre. Damals war ich sieben Jahre alt. Ich saß neben meinem Vater und während der Vorführung drehte ich mich zu ihm um und sagte: „Zuhause habe ich auch einen Kapitän Nemo.“


Mein Vater und mein Großvater sagten mir immer, dass ein Rekord nichts anderes bedeutet, als die Leistung des vorherigen Rekordinhabers zu übertreffen. Ein Forscher und Entdecker ist jedoch in der Lage, es besser zu machen: Er kann echte Innovationen entdecken oder Pionierleistungen erbringen, die noch nie zuvor erreicht wurden oder von denen niemand je geglaubt hat, dass sie überhaupt erreichbar sind. All diese Pionierleistungen, von denen die Geschichten meiner Kindheit handelten, waren für die Menschheit zutiefst nützlich. Sie haben neue Wege eröffnet und neue Transportmittel geschaffen. Sie haben das Gesicht der Welt und vor allem unsere Wahrnehmung des Unmöglichen grundlegend verändert. Und die Pionierleistungen, die keine unmittelbaren praktischen Folgen hatten, wie beispielsweise die Eroberung der höchsten Berge, verfügten über die Fähigkeit, der Menschheit Hoffnung zu geben, indem sie gezeigt haben, was der Mensch mit Mut und Durchhaltevermögen erreichen kann. Einige dieser Pionierleistungen waren auch entscheidend für den Schutz der Umwelt. So haben die Aufstiege meines Großvaters in die Stratosphäre gezeigt, dass Flugzeuge Treibstoff sparen können, wenn sie in dünnerer Luft fliegen. Und der Tauchgang meines Vaters mit dem Bathyscaph „Trieste“ in den Marianengraben, bei dem er in 11 000 Metern Tiefe einen Fisch entdeckte, führte dazu, dass er die Regierungen aufforderte, Projekte zur Entsorgung von radioaktivem und giftigem Abfall in den vermeintlich unbewohnten Tiefen der Meere zu stoppen.


In der Nähe meines Vaters waren Forschung und Entdeckung die einzige Art zu leben. Ich war davon überzeugt, dass alle Menschen genauso dachten. Ich war der Meinung, dass es immer darum ging, vorgefasste Meinungen zu überwinden, um Zweifel und das Unbekannte zuzulassen, Fragen zu stellen, um Kreativität anzuregen und innovative Lösungen zu finden, und das Unmögliche möglich zu machen! Gab es eine andere Art, die Welt zu sehen? Ich dachte nicht, bis mir klar wurde, dass die Geisteshaltung eines Forschers und Entdeckers auf dieser Welt nicht sehr verbreitet ist. Die Konfrontation mit dem Unbekannten macht allen Angst, die sich lieber mit Dogmen, Paradigmen und alten Gewohnheiten in Sicherheit wiegen. Nicht nur ich, sondern vor allem auch mein Vater waren zutiefst enttäuscht...


Genau diese Enttäuschung hat meinen Vater vorzeitig altern lassen. Die skeptische Einstellung zu seinen Erfindungen hatte seine Begeisterung und seinen unermüdlichen Einsatz zur Finanzierung seiner Projekte gebrochen. Er hatte eine Hypothek auf den Familiensitz aufgenommen, um sein jüngstes U-Boot zu finanzieren, und ich musste zusammen mit meinem Bruder und meiner Schwester mit ansehen, wie ihn die ablehnende Haltung vieler Menschen zunehmend verausgabte. Forschung und Entdeckung sind etwas Wunderbares. In einer von Gewissheiten geprägten Welt ist ihre Umsetzung aber unendlich schwierig.


Ich fühlte mich als Jugendlicher schmerzhaft verpflichtet, loyal mit meinem Vater zusammenzuarbeiten und ihm zu helfen, seine letzten Träume zu verwirklichen. Wie würde das Schicksal der dritten Generation aussehen? Sollte ich den Weg weitergehen oder meine eigene Bestimmung finden? Die Antwort darauf war aber nicht schwarz oder weiß, ich habe nur lange Zeit gebraucht, um dies zu erkennen. Es ging nicht darum, sich für das eine oder das andere zu entscheiden. Ich musste einfach beides tun! Ich musste seine Arbeit weiterführen, ohne sie einfach fortzusetzen. Ich musste von seiner Linie abweichen, um diese doch zu bereichern. Ich musste die Karten neu mischen, um das Spiel neu zu beginnen. Ich musste einen großen Bogen schlagen, damit der Weg zurück an die Ursprünge auf einer anderen Ebene möglich wurde. Ich durfte mein Leben nicht auf das meines Vaters ausrichten, sondern musste die diametralen Ansätze meines wissenschaftlich orientierten Vaters und meiner humanistisch geprägten Mutter in Einklang bringen. Ich musste der Technologie eine philosophische Dimension geben, die Forschung um eine spirituelle Dimension ergänzen und die Suche nach dem Sinn des Lebens um Forschergeist erweitern.


So bin ich Arzt, Psychiater und Hypnotherapeut geworden, um meinen Platz als Forscher zu finden. Ich habe mich mit dem Leid von Patienten auseinandergesetzt, das diese sich selbst zufügten, um ihr eigenes Wohlergehen zu verhindern. Außerdem habe ich ihren Widerstand gegen Veränderungen sowie ihre Angst vor Dingen, welche die eigene Vorstellungskraft übersteigen, analysiert. Anhand von Hypnose habe ich heilende Kräfte und enorme innere Ressourcen entdeckt, die in der Lage sind, den Menschen zu verändern. Ich war fasziniert von dem Leistungsniveau, das man dank einer Wahrnehmung von sich selbst im Augenblick erreichen kann, sei es durch Meditation oder beim Drachenfliegen. Der Extremsport hat mir ermöglicht, eine Verbindung zwischen Spiritualität und Forschung, Selbsterfahrung sowie der Entdeckung des Lebens und der Welt zu finden.


Das, was ich tat, interessierte mich nur bedingt, es ging mir vielmehr darum, meine Erfahrungen weiterzugeben, um andere zu motivieren, ebenfalls über sich hinauszuwachsen und Grenzen zu verschieben, die sie daran hinderten, sich weiterzuentwickeln. Ich wollte, dass meine Abenteuer nützlich für die Menschen sind. Genau das unterscheidet unsere drei Generationen. Mein Vater und mein Großvater hatten einen unerschütterlichen Glauben an die Technologie zur Erforschung der äußeren Welt und ließen so keinen Platz für überflüssige Emotionen. Ich hingegen vertraue auf die menschliche Empfindsamkeit, um die innere Welt zu entdecken. Es geht um dieselbe Neugier und dasselbe Bedürfnis, zu verstehen und die Welt zu verändern – aber auf eine ergänzende Art und Weise. Gemeinsam bilden wir eine Einheit. Ich würde ohne die Generation vor mir nicht existieren, aber die Geschichte meiner Vorfahren wäre ohne die meine zu Ende.

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